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Juni | 2013 | Juni 2013 – Deine dunkle Seite – Krimi Juni 2013 – Deine dunkle Seite – Krimi

Monat: Juni 2013

Episoden von Julia Claasen und Niklas Malter (vierter Teil)

20130628 SMS

 

 

Episoden von Julia Claasen und Niklas Malter (vierter Teil)

Niklas stand vor dem persischen Restaurant, das Julia ausgewählt hatte. Es waren noch gut zehn Minuten Zeit. Denn zum einen hatte er auf keinen Fall zu spät kommen wollen und zum anderen wollte er es genießen, wenn sie ausstieg, ankam … was auch immer, wollte sehen, wie sie sich gekleidet hatte, wie sie ihn anlächelte .. hoffentlich! .. und wie sie dann auf ihn zukam. Niklas nutzte die Zeit und schrieb schnell noch eine Nachricht auf seinem Handy: „Yes! Gehe heute Abend mit ihr aus. Dein Stick war wohl genau das Richtige. Du hast was gut bei mir, Matthes, Danke!“ „:-)) freut mich, aber mach langsam, weißt schon, was ich meine“, kam postwendend zurück. Niklas biss sich auf die Lippe. Ja, Matthes hatte Recht. Er musste aufpassen, unbedingt.

Doch fast hätte er seine guten Vorsätze gleich wieder vergessen. Denn da kam sie und stieg aus dem Taxi aus. Er hatte Julia noch nie in einem Kleid gesehen und erst recht nicht in diesem. Ihre Absätze waren gerade so hoch, dass sie ihre Beine perfekt zur Geltung kommen ließen, und doch noch weit davon entfernt, ordinär oder gar nuttig zu wirken. Und sie konnte sich in ihnen offenbar völlig entspannt und lässig bewegen. Sie schritt auf ihn zu, dezent geschminkt, das Haar offen … auch das hatte Niklas noch nicht allzu oft gesehen … und lächelte ihn tatsächlich an. Der Abend würde ihm also einiges abverlangen, aber Niklas war bereit, es diesmal mit seinem verfluchten Malter-Tier aufzunehmen, das schon wieder an ihm zerrte. Nein, jetzt nicht, vermassel mir das nicht!

Drei Stunden später verließen sie beide lachend und nah beieinander gehend das Lokal. Beim Türöffnen berührte Niklas Julia leicht am Arm und sie ließ sich die wenigen Meter so führen. Sie hatte das richtige Lokal gewählt. Nicht förmlich und steif, aber doch elegant, auf jeden Fall mit Stil. Die Bedienungen freundlich und immer zur Stelle und doch zurückhaltend. Das alles ganz ohne Alkohol. Und das persische Essen schmeckte ihr sowieso. Safran, Kurkuma, Anis, Limonen und viel Minze. Niklas hatte es auch geschmeckt, obwohl er einige dieser Gewürze bisher nur dem Namen nach gekannt hatte. Hatten einige davon nicht aphrodisierende Wirkung? Das musste er unbedingt nochmal googeln. Wenn ja, dann wäre das doch ein deutliches Signal, oder?

Ansonsten war das ein typisches Erste-Mal-Treffen. Erst Smalltalk, dann Berufliches, vor allem Berufliches, da hatte Niklas natürlich einiges erzählen können, aber auch Julia. Und viel Lachen, weil auch die  grausamen Fälle voll mit schrägen Typen und skurrilen Szenen waren. Lachen auch über andere, Kollegen, Staatsanwälte, Richter. Zu zweit über andere, erste verbindende Gemeinsamkeiten.

Julia stieg ins Taxi. Wie charmant er sein konnte! Er hatte es geschickt angestellt. Das hatte sie genau gespürt, aber egal. Wie lange war es her, dass sie sich so beachtet und hofiert gefühlt hatte? Bei Jo ganz am Anfang vielleicht, dem sie – genau genommen – diesen Abend sogar verdankte … „Ähmm“, der Taxifahrer räusperte sich. „Hallo, die Dame. Wo soll’s denn jetzt hingehen? Das müssten sie mir langsam schon sagen.“ Es klang eher amüsiert als genervt. Und Julia ließ sich nach Hause fahren.

Niklas hieß seinen Taxifahrer noch kurz warten, bis Julia weg war. Dann sank er in den Rücksitz und atmete tief durch. Es war gut gewesen, sehr gut sogar. Er war gut gewesen. Und er war sich sicher, es würde eine Fortsetzung geben. Geschafft, was wollte er mehr?! Hmm, naja, gab es da nicht noch was? Also war es wohl so weit, das Malter-Tier durfte endlich wieder raus. Er tippte auf eine der eingespeicherten Nummern in seinem Handy: „Niklas hier, guten Abend, du Schöne! Hättest du denn ein Stündchen Zeit für mich? Gut, dann bis gleich, Yvette.“ Und Niklas nannte dem Fahrer die Adresse.

Episoden von Julia Claasen und Niklas Malter (dritter Teil)

20130619 StehtischeEpisoden von Julia Claasen und Niklas Malter (dritter Teil)

„Verdammt, das nervt. Wir kommen kein Stück weiter!“ Niklas versetzte seinem Wagen einen imaginären Fußtritt. „Gehen wir schnell was essen? Um die Ecke ist der Bosporus. Nur ein Imbiss, aber der hat auch gute Mittagsgerichte, nicht nur Döner.“ Julia nickte. Wenige Minuten später aßen sie schon an einem der Stehtische, jeder noch in seinen Gedanken. Ruhig hinsetzen passte für beide nicht zu einem Stand der Ermittlungen, wo Pausen nicht angebracht waren, wo es endlich weitergehen musste.

„Willst du zur Abwechslung mal was Positives hören?“, beendete Julia das Schweigen. „Ja, wär nicht schlecht.“ „Der Scheißkerl hat sich wieder gemeldet.“ „Ah“, Niklas Augen blitzten, „und?“ „Er war nicht sehr gesprächig, es war eine sehr kurze Mail, genau genommen waren es nur drei Wörter.“ Julia lachte hell auf. „Du miese Schnüfflerin.“  Niklas nickte bedächtig. „Sehr gut.“

„Also ein guter Grund, dass ich dich heute einlade.“ sagte Julia und wollte zum Tresen gehen. „Nein“, Niklas legte ihr die Hand auf den Arm, „so leicht kommst du mir nicht davon.“ Sie sah das erste Mal seine Hand bewusst an. Eine schlanke Hand, lange Finger, sorgfältig gepflegte Nägel und kein Ring. „Heute zahle ich, und du lädst mich irgendwann richtig ein, dem kleinen Stick und seinem nützlichen Inhalt angemessen.“ Julia lächelte. „Ok, einverstanden, angemessen.“ Und sie war selbst überrascht, dass sie sogar schon eine Idee hatte.

Episoden von Julia Claasen und Niklas Malter (zweiter Teil)

stickEpisoden von Julia Claasen und Niklas Malter (zweiter Teil)

Jetzt saßen sie schon zwei Stunden hier im Dunkeln in Julias Kombi und hatten den Eingang des Mietshauses im Blick. Oben im sechsten Stock links brannte immer noch Licht. Ab und zu ließ sich ein Schatten erahnen, der sich von einem Raum in den anderen bewegte, aber offenbar immer noch keine Anstalten machte, seine Wohnung zu verlassen und endlich das zu tun, wovon Julia und Niklas immer noch überzeugt waren, dass er es heute tun würde.

„Hast du denn von dem Scheißkerl noch was gehört?“ fragte Niklas in die Stille, während er weiter geradeaus blickte. Julia drehte sich abrupt nach rechts und sah ihn von der Seite an. War das etwa ein Grinsen in seinen Mundwinkeln? „Nein, nichts mehr. Wahrscheinlich hatte er gehofft, ich würde reagieren auf seine Mail. Aber den Gefallen hab ich ihm nicht getan! Jetzt warte ich einfach ab, was passiert.“

Niklas kramte in seiner Hosentasche, zog einen USB-Stick heraus und reichte ihn Julia hinüber. „Vielleicht solltest du nicht nur abwarten, sondern ihm eine der Dateien schicken, die hier drauf sind.“ Jetzt grinste Niklas tatsächlich. „Ich hab‘ mal ein bisschen rumhören lassen. Schließlich gibt’s den Namen nicht ganz so häufig. Und ich denke nicht, dass er noch groß was über deine Mutter veröffentlichen wird, wenn er weiß, dass du das hier in der Hand hast.“ Er deutete auf den Stick, den Julia zwischen den Fingerspitzen hielt, als ob es etwas Schmutziges wäre. Wahrscheinlich war es das auch, dachte sie. „Eine einzige Datei hätte wohl schon gereicht“, schob Niklas nach, „aber: sicher ist sicher:“

„Danke!“, jetzt grinste Julia auch. Na, wenn das so ist .. komischerweise fühlte sie keinerlei Skrupel. „Ich denke, der Scheißkerl wird es so schnell wie möglich bekommen.“, und fast hätte sie sich hinübergebeugt und Niklas umarmt. Aber das ging natürlich nicht.

Episoden von Julia Claasen und Niklas Malter (erster Teil)

Zwischen Julia Claasen und Niklas Malter fliegen während der Ermittlungen häufig die Fetzen. Gleichzeitig kommen sie sich aber doch näher. So die Vorgabe. Dieser Handlungsstrang verläuft parallel zur Ermittlung und erstreckt sich über mehrere Kapitel. Einige Episoden dazu sind bereits entstanden, hier die erste:

Episoden von Julia Claasen und Niklas Malter (erster Teil)

Es wurde wieder spät heute. Julia Claasen und Niklas Malter saßen sich an ihren Schreibtischen gegenüber. Die langweiligen Routinearbeiten, unspektakulär. Niklas sortierte Unterlagen in den Akten und sah die Aufzeichnungen und ersten Verhörprotokolle durch. Schließlich wusste man nie, welche Dokumente später in einem Verfahren relevant werden könnten. Er hatte die Beine hochgelegt, mit den italienischen Schuhen auf dem grauen Standard-Bürocontainer. Ab und zu nippte er an der Tasse mit grünem Tee.

Julia starrte auf den Bildschirm und recherchierte all die Personen, von denen sie bisher Namen erfahren hatten. Nicht immer einfach. Namensänderungen bei Heirat, Umzüge, Auslandsaufenthalte, trotzdem so viel wie möglich von den Lebenslinien aufspüren, vielleicht gab es ja eine Verbindung. Das war kein genialer Internet-Hack, sondern stupides Sichten von Melderegistern, Verknüpfungen von Steuernummern, Bankverbindungen und Geldflüssen, schließlich mussten ja alle von irgendetwas leben. Mühsames Handwerk also, das im Fernsehkrimi allenfalls den immer weiblich besetzten Nebenrollen zufiel.

Bei solchen Arbeiten überkam Julia regelmäßig ein Heißhunger auf Schokolade. In der Schublade lag noch eine Tafel, das wusste sie. Nur würde sie Niklas etwas anbieten müssen, wenn sie sie jetzt herausholte. Das dezente Pling-Pling ihres Handy unterbrach sie. Mail. Sie wischte über den Schirm und sah den Absender: Jo. Betreff: „Werde die Story doch bringen“. Würde der nie aufhören? Vor zwei Monaten hatte sie ihn vor die Tür gesetzt und trotz seiner Enttäuschung hatte er ihr damals noch versprochen, die Sache endlich sein zu lassen. Und sie hatte ihm geglaubt. Hatte gedacht, dass er verstanden hätte, wie sehr er sie damit verletzen würde. Das zählte wohl jetzt alles schon nicht mehr. Julia überflog die wenigen Zeilen. „Dieser Scheißkerl“, entfuhr es ihr.

Niklas sah kurz auf von seinen Papieren und zu ihr herüber. Ein Stirnrunzeln, dann las er weiter. Na prima, was hatte sie sich auch anderes erwartet von ihrem tollen Kollegen? Die vielen Daten auf dem Bildschirm verschwammen vor ihren Augen. Recherche. Klar, damit konnte man vieles herausfinden, wenn man nur lange genug suchte. Selbst als kleiner mieser herumschnüffelnder Journalist, dem auch nach Jahren noch die große Story für den Durchbruch fehlte. Nur warum musste das gerade ihre Mutter sein? Und warum wurde sie das Gefühl nicht los, dass Jo es schon lange darauf angelegt hatte, vielleicht sogar von Anfang an? Julia zog die Schublade auf, riss die Verpackung von der Schokolade und begann, Rippe für Rippe in sich hineinzustopfen.

„Was ist denn jetzt mit diesem Scheißkerl?“, Niklas hatte seine Papiere beiseite gelegt und sah sie an. Vor lauter Überraschung begann Julia einfach zu erzählen. Von Jo, dem Scheißkerl, ihrem Ex-Freund, der als Journalist hinter einer Story von ehemaligen RAF-Sympathisanten her war, von denen es auch eine Verbindung zu ihrer Mutter geben sollte, obwohl ihre Mutter ihr gegenüber das immer noch abstritt. Und von der Mail, in der Jo triumphierend ankündigte, jetzt endlich eine Redaktion gefunden zu haben, die die ganze Story bringen würde, und dass sich alles mit ihrer Mutter inzwischen ganz eindeutig verhielte. Stille. Julia fühlte sich erleichtert und die Schokolade war auch weg. Ohne dass sie Niklas davon abgeben musste. Fast hätte Julia sogar geschmunzelt. „Wirklich ein Scheißkerl“, sagte Niklas unvermittelt. „Aber hat so ein Scheißkerl denn noch einen anderen Namen als Jo?“ „Johannes Meybrugg mit e-y und Doppel-g am Ende“, antwortete Julia und wunderte sich, dass Niklas diesen Namen offenbar auf einen Zettel notierte und den in seine Sakkotasche steckte. „Ich denke, für heute reicht es. Gehen wir.“