20130904 Roter Faden 3Das 3. Kapitel (vierter und letzter Teil)

Hoffentlich würde die Ärztin seinen Anruf um diese Zeit nicht missverstehen. Schließlich war es nicht gerade dienstlich gewesen, als sie sich das letzte Mal gesehen hatten. „Don’t fuck your office!“ Niklas hatte seine eiserne Regel gebrochen und es in derselben Nacht noch bereut. Mist! Jetzt saß er hier mit diesem armen Kerl ohne Eier und einem Loch im Bauch und einem im Gesicht. Da brauchte er keine anderen Probleme. So etwas durfte ihm nie mehr passieren, schwor er sich. Aber es half nichts, sie war nun mal in ihrem Fach die Beste, die sie hatten, und deshalb brauchte er sie hier. Er wählte ihre Nummer. „Niklas hier, ich hoffe ich störe nicht.“ „Ist das alles, was dir nach zwei Wochen einfällt?“ Er räusperte sich. „Nein, aber wir haben eine Leiche, gefoltert, könnte schwierig werden.“ „Ach so“, sie schaltete um auf professionelle Distanz, „dann gib mir dreißig Minuten. Wohin soll ich kommen?“

Niklas sah wieder auf die Uhr, halb zwölf inzwischen. Die berüchtigten 48 Stunden begannen zu laufen, in denen sie den roten Faden für den Fall in den Händen halten sollten. Sonst würde es schwierig bis unmöglich werden. Oder sie müssten auf einen günstigen Zufall hoffen. Und Niklas hasste diese Zufälle. Zwei Tage und zwei Nächte. Das war nicht viel.