20131107 Eier zu zweitDas 4. Kapitel (zweiter Teil)

„Also ein Mann ohne Eier? Soll es ja geben …“ Auch mit dem zynischen Unterton fand Niklas ihre dunkle Stimme immer noch sexy. Vor allem im Kontrast zu ihren blonden Haaren, die so gar nicht dem Klischee einer Spanierin entsprachen. Er sah möglichst schnell wieder in sein Notizbuch: „Das andere Rätsel: wie wurde er überwältigt und fixiert? Wie du siehst, keine Kampfspuren. Ich hoffe, du findest da etwas, was uns weiterhilft.“ Niklas legte die Stirn in Falten, gab den angestrengt grübelnden Kriminalisten und konnte sich auf diese Art endlich abwenden und auf die Terrasse hinausstarren. Wo war nur seine Souveränität geblieben?

Am Gemurmel und Geklapper erkannte er, dass sich das Penthouse langsam zu füllen begann. Die Männer in ihren weißen Overalls arbeiteten sich akribisch von der Eingangstür her vor. Niklas kannte den Ablauf: immer wieder Blitzlicht, Markierungen, Anweisungen, Nummerntafeln. Blitzlicht … Stille. Er musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, wo die Kollegen jetzt standen. Tiefes Durchschnaufen, kurzes Aufstöhnen, aber das gab sich wieder. Schließlich waren das Profis. Von denen einige Niklas offenbar noch nicht kannten: „Lag hier außer dem Messer wirklich nichts rum? Die müssen doch eine ganze Menge Werkzeug dabei gehabt haben?“ Niklas schnellte herum: „Also bitte, Kollegen, meint ihr, ich habe hier was weggeräumt? Und woher wisst ihr, dass es mehrere waren? Wohl schon so viele Spuren identifiziert?“ Sollten sie doch ruhig merken, was er von Inkompetenz hielt, und er schob gleich nach: „Da hinten die Kleidung, schaut doch mal, ob sie dem Opfer gehört und ob die ihm jemand zusammengelegt hat?“ Er rieb sich die Augen, es war spät. Zu spät für ihn.