20140302 SandalenDas 5. Kapitel (zweiter Teil)

„Nicht die Schriftzeichen, was dann?“, Niklas klang überrascht. „Nachbarn, die nichts gesagt haben.“, Julia erklärte Niklas die verdächtigen Lücken. „Sehr gut!“, Niklas stockte kurz, „Bei mir gibt’s übrigens auch was Seltsames … ich melde mich gleich nochmal.“ Er sah auf und wandte sich mit einem entschuldigenden Schulterzucken wieder dem kleinen, bierbäuchigen Mann zu, der ihm zuliebe das Unkrautjäten unterbrochen hatte. Kurze Cargohose, weißes Feinrippunterhemd und ehemals weißen Socken in den Sandalen. In seiner Uniform hat der früher sicher einen besseren Eindruck gemacht, dachte sich Niklas. Aber offenbar fühlte sich der Kollege im Ruhestand nun in diesem Aufzug wohl. „Also, Herr Altkamp, ich fasse nochmal kurz zusammen: da war der Anruf, Stimmen in einem LKW-Anhänger mitten in dieser Neubausiedlung aus den 80ern. Sie fuhren hin, brachen den Container auf und fanden die Kinder.“ Petter Altkamp nickte eifrig: „Ja, von außen alles schick, dicker Aufdruck von der Spedition, von diesem Liars, und drinnen die 18 Kinder in ihrem ganzen Elend. Nichts mehr zu essen, nichts mehr zu trinken, kein Klo. Wie die am Schluss überhaupt überlebt haben?! Die jüngsten waren drei, die ältesten so 14 oder 15.“ Er schwitzte jetzt noch mehr. „Wir waren hier alle schockiert. So etwas mitten unter uns, unvorstellbar. Haben geholfen so gut es ging. Natürlich mussten die alle sofort ins Krankenhaus. Aber dann kam die Wut. Wer tut so etwas? Wir wollten diese Verbrecher unbedingt zu fassen kriegen … “ „Und?“, fragte Niklas nach, „Was haben Sie mit Ihren Kollegen dann ermitteln können?“ „Paah“, Petter Altkamp schnaubte kurz und schob sich seine Schirmmütze nach hinten, „das war ja das Verrückte. Die ließen uns nicht. Obwohl wir uns hier doch am besten auskennen. Die Kripo hat den Fall komplett an sich gezogen. Die haben danach vielleicht noch ein oder zwei Mal mit uns gesprochen, da war’s dann aber auch. Wie auf einem persönlichen Rachefeldzug, so verbissen sind die an die ganze Sache rangegangen.“ Er überlegte kurz. „Der eine war der schärfste von allen, wie hieß der denn gleich … ach ja, Heid.“ Niklas sah ihn überrascht an; diesen Namen musste er sich nicht notieren.

Im Auto hatte er Julia am Telefon, die schon nach wenigen Sätzen dazwischen platzte: „Der Sven? Warum will er dann nicht bei der Soko mitmachen? Jetzt könnten wir den Kinderhandel doch vielleicht aufklären!“ „Ja, eben …“ grübelte Niklas, „ich schaue mir auf jeden Fall im Büro die Akten von damals an. So was kann ich nämlich gar nicht haben bei Kollegen!“ Julia zog die Augenbrauen hoch: „Na dann bis gleich.“