20140322 Demo mit Schild kleinerDas 5. Kapitel (dritter Teil)

Polizeicomputer und Bundeszentralregister kannten Herrn und Frau Hollfelder zwar nicht, aber zu Julias Überraschung war das Internet voll von ihnen. Vor allem Einträge zu einer Initiative „Eine Welt für Kinder – gegen Kinderhandel, Kinderarbeit, Kindermissbrauch“, Aufrufe, Infostände, Reportagen. Und immer wieder das Ehepaar Hollfelder auf den Fotos, offenbar seit vielen Jahren im Vorstand des Trägervereins. Sie wirkten immer sehr ernst und angespannt, fand Julia, fast verbissen im Dienst der guten Sache. So etwas war Julia immer schon suspekt gewesen. Was wahrscheinlich an ihrer Mutter lag, die immer genauso dogmatisch ihre Ideen vertreten hatte, egal ob am Frühstückstisch oder vor Julias Freundinnen. Julia scrollte weiter in der Ergebnisliste, endlich, Liars … Da schau an! Eine Protestaktion der Initiative vor dem Gerichtsgebäude. Sie zoomte das Foto mit der Gruppe größer und erkannte das Ehepaar, wenn auch etwas verpixelt. Da hatten sie also gegen den Liars protestiert, den sie als Nachbarn laut Protokoll auf einmal nicht mehr kannten. Das reichte locker. Sie druckte die Seiten gerade aus, als Niklas hereinstürzte: „Die Akten von damals sind nicht im Archiv, heute früh ausgeliehen … jetzt rate mal von wem?!“ „Nein?!“ „Doch, unser lieber Kollege Heid. Ist jetzt übrigens nicht mehr erreichbar ist, also für wie blöd hält der uns denn?“ Julia dachte nach, was Niklas gerade nicht mehr so gut konnte: „Der weiß doch, dass wir das bemerken. Aber er macht es trotzdem macht. Also muss er schon einen sehr wichtigen Grund haben. Da steckt was anderes dahinter, Niklas. Aber jetzt schau erst mal hier!“ Julia zeigte ihm das entscheidende Foto. „Ok, dann nehmen wir uns zuerst diese … wie hießen sie gleich … auf jeden Fall persönlich vor. Sobald sie zuhause sind, fahren wir hin.“

Vor der Wohnanlage parkte Niklas den Wagen an derselben Stelle wie in der Nacht zuvor und sah zu Julia auf dem Beifahrersitz: „Unsere erste gemeinsame Vernehmung.“ Julia lächelte schmal, während Niklas ihren Blick suchte: „Also, wie besprochen, genügend Zeit für die Atmosphäre. Ich wärme ihn ein bisschen an, du kümmerst dich um sie. Sobald sie sich etwas entspannen, komme ich direkt auf den Punkt, den Zeitungsartikel.“ „Hab ich hier“, Julia zeigte auf ihre Mappe. „Das müsste reichen, damit sie reagieren. Diese Gutmenschen verschweigen uns was, das ist sicher. Mal sehen, wie lange sie ihre Lügen durchhalten bei ihren hohen moralischen Ansprüchen.“ „Verstanden, alles klar, gehen wir“, Julia hatte schon die Wagentür geöffnet, als Niklas Handy vibrierte: die Nummer des Kriminaltechnischen Dienstes. Er stellte auf Lautsprecher. „Was gibt’s?“ „Wir haben uns die DVD mit dem Kinderporno angeschaut. Die Filme, die drauf sind, bringen uns gar nichts, also versteh‘ mich nicht falsch, ich meine: das ist zwar ekelhaft, aber alles mehr oder weniger öffentliches Material, so weit man das in dem Fall sagen kann, also alles von irgendwelchen Webseiten runtergeladen. Das kannst du an den Dateien erkennen.“ „Mist, sonst ist nichts drauf?“ „Doch, wir haben Reste einiger überschriebener Dateien gefunden, da sind wir noch dran. Irgend so etwas wie Protokolle von Sitzungen einer Initiative, wir können damit noch nichts anfangen, aber ihr hört von uns, sobald wir das genauer haben.“ Julia und Niklas sahen sich an: das passte gar nicht zu den Hollfelders. Oder war das alles so einfach und sie hatten sich von der bürgerlichen Fassade täuschen lassen? Julia tastete nach ihrem Schulterhalfter. Niklas registrierte ihre Bewegung: „Wer weiß, ob das jetzt gleich wirklich so entspannt wird, wie wir uns das vorstellen, kein Risiko, ja?!“